Diagnose: Dachschaden!
- Daniela Rath-Müller

- 9. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit

Kennen Sie jemanden, der schon einmal ein psychiatrisches Gutachten erhalten hat, in dem eine psychische Störung diagnostiziert wurde? Oder sind Sie vielleicht sogar selbst davon betroffen? Was macht es mit einem, wenn der Arzt einem erklärt, dass man entweder den Käfig, in dem der Vogel sitzt, erweitern muss, oder, und er empfiehlt ODER, man den ausgewachsenen Lämmergeier im Oberstübchen auf Diät setzen muss, in der Hoffnung, dass dieser wieder kleiner wird? Und ist man selbst am meisten betroffen, oder doch die Angehörigen?
Die Frage, ob ein Mensch mit einer gespaltenen Persönlichkeit auch weiß, dass entweder mehrere Seelen in ihm wohnen oder sich seine Persönlichkeit in unterschiedliche meist gegensätzliche Teile aufgespalten hat, interessiert mich schon fast mein ganzes Leben lang. Ein Film zu dieser Thematik setzte wohl den Grundstein für dieses Interesse bei mir und die Literatur dazu finde ich sehr spannend. Und, was meinen Sie? Weiß ein Mensch, dass er einmal Dr. Jekyll und dann wieder Mr. Hyde ist?
Es gibt so viele unterschiedliche, tragische Schicksale auf dieser Welt, und jedes einzelne davon ist bedauernswert. Was haben ein 17-järiger Schüler und ein Vater von drei Kindern gemeinsam? Tragischerweise wurden beide in den vergangenen Tagen erschossen, wobei man den Jungen offenbar retten konnte. Was war passiert?
In Essen stach ein 17-jähriger aus Kosovo stammender Schüler gezielt mehrmals seiner Lehrerin in den Bauch. Die Frau scheint außer Lebensgefahr zu sein, genauere Hintergründe zum Tatmotiv liegen noch im Dunkeln. Fest steht, dass der Bursche etwas später im nahegelegenen Park gestellt, und als dieser ein Messer zog, angeschossen wurde.
Am anderen Ende der Welt, entführte ein Vater seine damals 5, 7 und achtjährigen Kinder nach einem Sorgerechtsstreit und war nun knapp vier Jahre in der Wildnis in Neuseeland untergetaucht. Dieser Vater wurde vor den Augen eines seiner Kinder bei der Flucht seines bewaffneten Überfalls erschossen.
Vielleicht meinen Sie jetzt, dass die beiden Täter es nicht besser verdient hätten, aber mich persönlich erschüttern solche Nachrichten immer wieder. Ich frage mich, was in dem Jungen vorgegangen war, damit er sich für diesen Messerangriff entschied.
Und der Vater, der sogar sein Leben verloren hat... Vermutlich wollte er einfach seine Kinder nicht verlieren und hatte rechtlich und/oder finanziell keine Ressourcen mehr, um weiter vor Gericht um sie zu kämpfen. Natürlich war es nicht richtig, dass er seine Kinder entführt hat, aber ist es richtig, dass diese drei Kinder nun ihren Vater verloren haben? Und bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ein Mensch, der eine Waffe in die Hand nimmt, muss auch damit rechnen, dass er selbst getötet wird, das ist meine persönliche Meinung. Ich finde einfach die Hintergründe immer interessant und meistens traurig, vor allem, wenn man bedenkt, was das nun mit den Kindern macht.
Und hier schließt sich der Kreis. War dieser Vater egoistisch und hat seine Kinder im bösen Willen entführt, oder haben ihn andere Umstände, wie beispielsweise ein verlorener Rechtsstreit erst zu dieser Tat fähig werden lassen? Und der Junge aus Essen? Ist er einfach ein böser Mensch und hat geistige Störungen, was natürlich auch sein kann, oder ist ihm im Vorfeld Unrecht passiert? Was war zuerst da? Henne oder Ei??
Und jetzt kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Sind all jene, die eine psychisch gestört sind, einfach "blämbläm", oder werden manche dieses, weil sie zu lange nicht gehört, oder schlimmer, in irgendeiner Form "misshandelt" wurden? Sicherlich wird es vielschichtige Antworten dazu geben, aber was ich damit eigentlich sagen will ist, dass wir doch alle ein bisschen mitverantwortlich sind für die, die sich suboptimal entwickelt haben. Und bitte hören wir endlich auf mit der Suche nach einem Schuldigen!!! Da sind wir wieder bei Henne und Ei! Dinge, die bereits passiert sind, kann man nicht mehr ändern. Aber anstatt mit dem Finger auf sie zu zeigen, könnten wir doch endlich versuchen, zu verstehen, wie es zu den jeweiligen Situationen gekommen sein könnte. Denn erst, wenn wir die Hintergründe verstehen können, sind wir auch im Stande, es künftig besser zu machen, damit sich Gewalttaten nicht ständig wiederholen müssen.
Und wenn wir erst einmal begreifen würden, dass viele Täter vorher einmal Opfer waren, dann würde uns einiges klar werden. Nämlich, dass nicht nur die Opfer bzw deren Hinterbliebenen Mitgefühl und Hilfe brauchen, sondern auch die Täter bzw der Umfeld. Und wer Hass säht, wird auch Hass ernten. Die Umkehrfolge stimmt allerdings schon wieder nicht mehr immer, da die menschliche Psyche eben auch komplex ist und es manchmal nur eine Kleinigkeit braucht, um aus dem Gleichgewicht zu kommen. Die Zeit kann eben nicht nur Wunden heilen lassen, sondern auch Schäden verschlimmern. Und das passiert eben dann, wenn dieser nicht erkannt und "behandelt" wird, womit ich keine Medikation meine. Meist würde eine richtige Gesprächstherapie schon helfen, aber leider bekommt man die heutzutage äußerst selten.
Also bevor Sie das nächste Mal den Finger erheben und auf jemanden zeigen wollen, weil er einen Vogel hat, hinterfragen Sie doch einfach dessen Motive. Umgekehrt bedeutet das natürlich nicht, dass sich alle mit einer psychischen Diagnose ausruhen dürfen, da ja quasi andere diesen Schaden verursacht haben. Aber wenn wir endlich, und das müsste schon die Mehrheit sein, unseren Blick weg vom Smartphone und hin zu den Menschen in unserem Umfeld richten würden, dann könnten wir erkennen, dass eventuell ein Schüler gemobbt wird und die Lehrerin nur zuschaut, oder dass ein Vater vielleicht einfach zu wenig Rechte bei uns in Österreich hat, dieser aber um nichts in der Welt seine Kinder verlieren wollte. Wir sollten wieder mehr hinsehen und helfen, anstatt wegzuschauen und zu verurteilen.
Zu diesem Thema passt auch unser Antigewalt und Mobbingpräventionsseminar. Leider passieren immer wieder und noch viel öfter, als wir es mitbekommen, schlimme Dinge. Ein Vater schlägt seine Kinder, Jugendliche mobben ihresgleichen, ein Vorgesetzter übt psychische Gewalt auf Mitarbeiter aus, die Mutter sperrt sich ein, weil ihr alles zu viel wird, andere bedrohen das Leben ihrer Mitmenschen und wieder andere begehen Suizid, weil sie keinen Ausweg fanden! Und dabei ließe sich doch im Grunde wirklich fast alles bereinigen, wenn man nur die richtige Hilfe erhalten würde.
Nachdem wir selbst unsere Schicksalsschläge zu verkraften hatten, haben wir uns a) weitergebildet, und b) nicht nur eine Ahnung, wovon wir sprechen - wir kennen uns wirklich aus! Wir haben so viele Ungerechtigkeiten am eigenen Leib erfahren, wir konnten so lange Vieles nicht verstehen, warum sich Menschen so verhalten, wie sie es eben tun, bis wir verstanden, wie die menschliche Psyche funktioniert. Das bedeutet nicht, dass wir immer alle komplett gleich ticken oder handeln, aber gewisse Mechanismen sind einfach immer dieselben. Wenn also auch Sie direkt oder auch nur indirekt von solchen Themen betroffen sind, dann schreiben Sie uns gerne. Wir geben auch gerne eine schnelle, kostenlose Auskunft, um einfach und unbürokratisch zu helfen!
In diesem Sinne alles Liebe.
Herzlichst,
Ihre RATH-Geberin







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